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Nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten?

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Kritischer Journalismus ist entscheidend für die Demokratie, die Verantwortung der „vierten Gewalt im Staat“ groß. Zugleich ist der wirtschaftliche Druck auf Medien größer denn je und es gilt, wie ORF-Legende Gerhard Vogl es formulierte „der Kampf um´s Publikum.“ Dass negative Schlagzeilen das „Einfangen“ der Leser leichter machen würden als positive, sei aus Gerhard Vogls Sicht immer so gewesen, aber genau hier hakte Desiree Schmuck, Professorin für Kommunikationswissenschaft ein und nannte das neue Phänomen der „News avoidance“, die sich darin äußere, dass immer mehr Menschen Nachrichten ganz bewusst vermeiden würden. Skandalisierung und negative Berichterstattung würden gerade bei jungen Leuten eine Verdrossenheit fördern, die sich in der Folge immer mehr in soziale Medien als Informationsquellen flüchten würden.

„Wenn Menschen in den Sozialen Medien sehen, eigentlich könnte eine Krise oder ein Thema auch ganz einfach dargestellt werden, aber die Medien verpacken es immer sehr komplex, dann kann das zu Frust führen.“ Aktuelle Studien würden zeigen, dass die Zahl der Menschen, die bewusst Nachrichten vermeiden, kontinuierlich zunehme. Dennoch könne es nicht Aufgabe der Medien sein, die Welt schön zu zeichnen, konterte Eva Linsinger, stellvertretende Chefredakteurin des Nachrichtenmagazins Profil. Sehr wohl seien die Menschen aber an Lösungen interessiert. Konkret konstruktive Anregungen zu aktuellen Themen zu geben, habe sehr wohl auch Platz in einem kritischen Qualitätsmedium.

 

Bedrohlich sah ORF-Redakteur Klaus Unterberger die Entwicklung, wonach in jüngeren Gesellschaftsschichten die Nutzung von Social Media bei 70% aber das Vertrauen bei 10% läge. Eva Linsinger sah hier eine veritable Vertrauenskrise die zum Teil auch durch die Corona Krise entstanden wäre. Umso wichtiger sei es, durch stetige Faktenchecks in der Berichterstattung das Vertrauen in die Medien zu stärken. „Es gibt klar Qualitätskriterien. Man muss immer auch die andere Seite hören. Informationen absichern“, so Linsinger.

Im Finale von Michael Battisti gefragt, wie die Anwesenden die Zukunft der Medien sehen, antworteten die Podiumsgäste durchaus ambivalent. Desiree Schmuck sah eine immer fragmentiertere Medienlandschaft, eine Fülle von Informationen an denen die Menschen sich orientieren müssten und das könnte nur über eine Komplexitätsreduktion im Inhalt funktionieren. Gerhard Vogl zeichnete ein eher negatives Bild für die Zukunft und erinnerte an die Gefahren der Fake News im Zeitalter der KI. Ein Thema, dem man laut Eva Linsinger vor allem über die Qualitätssicherung begegnen könnte. Neben den gängigen Faktenchecks sei am Ende immer das Vertrauen in die Quelle entscheidend. Eben dieses Vertrauen könne nie behauptet, sondern nur verdient werden, ergänzte Klaus Unterberger und ließ mit einer positiven Prognose aufhohrchen: Die technischen Perspektiven, die künftige Entwicklung bieten würden hätten das Potential, die Gefahren zu übertreffen.

Unter den zahlreichen Gästen des Abends waren Bürgermeister Alfred Kridlo und Vizebürgermeister Gernot Ertl, Landtagsabgeordneter René Zonschits und der ehemalige Landtagspräsident von Niederösterreich Herbert Nowohradsky.

Die Kamingespräche sind eine Veranstaltungsreihe der Kultur.Region.Niederösterreich in Zusammenarbeit mit dem ORF Niederösterreich.

Kultur Niederösterreich
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