AKM fordert KI-Vergütung für die Musikszene

Nur 1,5 Prozent aller AKM-Mitglieder haben im vergangenen mehr als 1.000 Euro an Vergütung für die Music On Demand-Nutzung ihrer Musikstücke bekommen, informiert die AKM, Partnerin der Kultur.Region.Niederösterreich etwa bei der gemeinsamen Tagung „Musik aus den Regionen“. Während internationale Konzerne und ein paar wenige große Marktteilnehmer vom Marktwachstum profitieren, kommen steigende Umsätze beim überwiegenden Teil der Musikschaffenden in Österreich nicht an.

Die Künstliche Intelligenz stellt die heimische Szene vor große Herausforderungen: Zum einen werden geschützte Werke für das KI-Training herangezogen – wofür es aber keine Vergütung gibt. Zum anderen werden rein KI-erzeugte Tracks verbreitet – die Streamingplattform Deezer etwa deklariert, dass 39 Prozent aller täglich hochgeladenen Titel zur Gänze von KI erzeugt wurde.

„Die aktuellen Entwicklungen im Musikmarkt, insbesondere durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz, stellen unsere Musikschaffenden vor völlig neue und existenzielle Herausforderungen. Es darf nicht sein, dass kreative Arbeit immer weiter entwertet wird, während maschinengenerierte Systeme den Wert abschöpfen. Wir brauchen dringend faire Regeln, damit unsere Künstlerinnen und Künstler auch im digitalen Zeitalter von ihrer Arbeit leben können“, stellt AKM-Präsident Peter Vieweger klar.

Die AKM fordert nun klare und faire Rahmenbedingungen für die KI-Nutzung im Sinne einer angemessenen Beteiligung von Musikerinnen und Musikern. Justizministerin Anna Sporrer sprach sich bereits für eine angemessene Entschädigung aus. Die AKM appelliert nun „an die Bundesregierung, im Rahmen der Musikstrategie eine praxisorientierte Grundlage für Vergütungsansprüche zu schaffen und so die Zukunft der österreichischen Musikschaffenden zu sichern“.

Nutzen und Schatten der KI

Die Vorteile und Nachteile der Künstlichen Intelligenz in der Musikproduktion waren Thema des Vortrages von Christian Zierhofer bei der Fortbildungsreihe „NÖ Musikszene – Kreative Kompetenz“ der Akademie der Kultur.Region.Niederösterreich. Der Wiener Neustädter Musikproduzent kennt die Branche und die Finessen der Produktion. Zierhofer komponierte bereits hunderte Schlagersongs, unter anderem für Jazz Gitti, die Nockis sowie für Andy Borg, Marc Pircher und Claudia Jung, arbeitete mit Karel Gott, G.G. Anderson und vielen mehr zusammen. Viele seiner Produktionen erhielten Gold- und Platin-Auszeichnungen.

In seinem Vortrag „KI in der Musikproduktion“skizzierte er im Seminar- und Ausbildungszentrum Atzenbrugg vor zahlreichen Musikschaffenden aus ganz Niederösterreich die Geschichte der technologischen Entwicklung – vom ersten Drumcomputer bis zum heutigen Einsatz generativer KI bei der Musikproduktion. Mit heutigen KI-Programmen seien ganze Songs auf Knopfdruck produzierbar. „Das kann eine echte Studio-Produktion nicht ersetzen, da fehlt es noch an Qualität.“ Für Musikerinnen und Musiker mit begrenzten finanziellen Mitteln seien solche Programme freilich eine Hilfe. Er selbst, so Zierhofer, verwende KI als Unterstützung, arbeitet aber „lieber mit echten Instrumenten“. Zierhofer kam auch auf die Schattenseiten zu sprechen: die rechtliche Situation für Musikerinnen und Musiker, das Fehlen künstlerischer Vision, die noch mangelhafte Qualität. „KI ist eine Ideenmaschine, das Studio ist eine Qualitätsmaschine. Künstlich generierte Musik wird nie einen großen Hype erfahren, weil hier der Mensch auf der Bühne und als Identifikationsfigur für die Fans und für das Publikum fehlt.“ Sein Fazit: „Wer die KI verweigert, verliert den Anschluss, wer sie ausschließlich nutzt, verliert die Kontrolle.“

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