Brotkrümelnavigation:
Ehrenamt in Niederösterreich: Zusammenhalt lebt vom Mitmachen
Ob bei der Feuerwehr, im Kulturverein, in sozialen Organisationen oder in der Nachbarschaft: Freiwilliges Engagement ist eine tragende Säule des gesellschaftlichen Zusammenhalts in Niederösterreich. Wie kann diese große Bereitschaft, Verantwortung für andere zu übernehmen, auch in Zukunft erhalten werden? Und was braucht es, damit insbesondere junge Menschen motiviert sind, sich einzubringen?
Diesen Fragen widmete sich das vierte Zukunftsgespräch der Initiative „Mein Land denkt an morgen“ in Groß-Siegharts, wo Bürgermeister Ulrich Achleitner den Abend mit seinen einleitenden Worten eröffnete, und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer begrüßte. Unter dem Titel „Ehrenamt und Freiwilligenwesen – Wie wir den Zusammenhalt von morgen gestalten“ diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Kultur, Sozialbereich und Einsatzorganisationen gemeinsam mit den Besucherinnen und Besuchern.
Vereine schaffen Gemeinschaft
Welche Bedeutung Vereine für das gesellschaftliche Leben haben, unterstrich Martin Lammerhuber, Geschäftsführer der Kultur.Region.Niederösterreich. In Niederösterreich engagieren sich rund 800.000 Menschen in mehr als 25.000 Vereinen. Das Land unterstützt diese Strukturen seit vielen Jahren gezielt – unter anderem mit dem vor 25 Jahren gegründeten „Freiwilligencenter Niederösterreich“ als Anlaufstelle für Vereine und Ehrenamtliche.
Martin Lammerhuber: „Ehrenamt ist ein unschätzbarer Raum der persönlichen Weiterbildung und Orientierung. Eine informelle Bildungswerkstatt, wo alle Generationen Schlüsselqualifikationen, wie Teamfähigkeit, Organisationstalent und viele andere Kompetenzen erwerben können.“
Niederösterreich engagiert sich
Den wissenschaftlichen Ausgangspunkt lieferte Politikwissenschafter Univ.-Prof. Peter Filzmaier mit aktuellen Ergebnissen aus den Befragungen der Zukunftsinitiative. Diese zeigen die große Bedeutung des freiwilligen Engagements: Über 30 Prozent der Befragten in Niederösterreich geben an, in den vergangenen zwölf Monaten ehrenamtlich gearbeitet zu haben. Österreichweit sind es 28 Prozent.
Peter Filzmaier: „Dass drei von zehn Menschen in Niederösterreich innerhalb eines Jahres ehrenamtlich tätig waren, zeigt, wie stark freiwilliges Engagement im Alltag verankert ist. Gleichzeitig ist das kein Selbstläufer: Entscheidend wird sein, auch künftig Menschen und vor allem junge Generationen dafür zu gewinnen, Verantwortung für andere zu übernehmen.“
Helfen beginnt oft ganz persönlich
Mit Elisabeth Engstler, Fernsehmoderatorin und Schirmherrin von MOKI Niederösterreich (Mobile Kinderhilfe), stand auch die persönliche Motivation für freiwilliges Engagement im Mittelpunkt.
Elisabeth Engstler: „Ehrenamt beginnt für mich mit einem ganz einfachen Gedanken: Da braucht jemand Hilfe – und ich kann etwas beitragen. Es müssen nicht immer die großen Dinge sein. Oft sind es Zeit, Aufmerksamkeit und Verlässlichkeit, die für andere einen riesigen Unterschied machen.“
Diskutiert wurde dabei auch, wie Ehrenamt künftig flexibler werden kann. Denn nicht jeder könne sich über Jahre an eine Organisation binden – sehr wohl aber punktuell Zeit, Wissen oder persönliche Fähigkeiten einbringen.
Verantwortung und Verlässlichkeit
Bei Einsatzorganisationen kommt zum freiwilligen Engagement ein besonderes Maß an Verantwortung und Verbindlichkeit hinzu. NÖ Landesfeuerwehrkommandant Dietmar Fahrafellner verwies dabei auch auf die Bedeutung der Nachwuchsarbeit.
Dietmar Fahrafellner: „Die Stärke der Freiwilligen Feuerwehr in Niederösterreich liegt darin, dass Gemeinschaft und Verantwortung schon früh vermittelt werden. Unsere Feuerwehrjugend zeigt jungen Menschen: Du wirst gebraucht, du kannst etwas lernen und dein Beitrag zählt. So entsteht eine Kultur der Verlässlichkeit, auf die sich die Menschen im Land verlassen können.“
Ehrenamt von morgen ermöglichen
In der Diskussion wurde deutlich: Freiwilliges Engagement bleibt unverzichtbar, muss sich aber gemeinsam mit Gesellschaft und Lebensrealitäten weiterentwickeln. Flexible Möglichkeiten des Mitmachens, Anerkennung und Wertschätzung sowie die Einbindung junger Menschen werden dabei eine immer wichtigere Rolle spielen.
Friedrich Faulhammer, Leiter der Zukunftsinitiative „Mein Land denkt an morgen“: „Zusammenhalt entsteht nicht von selbst. Er entsteht durch Menschen, die bereit sind, Verantwortung für andere zu übernehmen. Die Aufgabe ist deshalb, dieses Engagement nicht als selbstverständlich anzusehen, sondern auch für die Zukunft Rahmenbedingungen zu schaffen, unter denen die Menschen auch morgen gerne sagen: Ich mache mit.“
Das vierte Zukunftsgespräch in Groß-Siegharts war Teil einer Reihe von insgesamt fünf Zukunftsgesprächen, die 2026 in den Regionen Niederösterreichs stattfinden. Die Ergebnisse aus der Diskussion, den Publikumsrückmeldungen und den wissenschaftlichen Analysen fließen in die weitere Arbeit der Initiative „Mein Land denkt an morgen“ ein. Ziel bleibt es, zentrale Zukunftsfragen gemeinsam zu diskutieren und daraus konkrete Ableitungen für Politik, Verwaltung und Gesellschaft zu entwickeln.
