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Einsamkeit und ihre Folgen: Für echte Beziehungen braucht man Augenkontakt
Einsamkeit kann jeden treffen – unabhängig von Alter und Lebenssituation. Entscheidend ist nicht, wie viele Menschen uns umgeben, sondern ob wir uns verstanden und zugehörig fühlen. „Für echte Beziehungen braucht man Augenkontakt“, betonte Michael Musalek in seinen Ausführungen. Der Mensch sei immer Einzel- und Gemeinschaftswesen zugleich. Während Alleinsein durchaus auch positiv erlebt werden kann, entstehe Einsamkeit dort, wo Nähe fehlt und Menschen keinen Anschluss finden.
Bereitschaft zur Teilhabe
Wie kann Einsamkeit nun überwunden werden? Eine wesentliche Voraussetzung sei die Fähigkeit, mit der Welt und den Mitmenschen in Kontakt zu treten. Aus Angst vor Verletzungen und Enttäuschungen zögen sich Menschen zurück und ließen Nähe und Berührungen nicht mehr zu. „Es braucht die Bereitschaft Beziehungen zuzulassen“, so Musalek. Gerade die digitale Kommunikation berge die Gefahr oberflächlicher Kontakte und zunehmender Entfremdung. „Viele Jugendliche leben in Pseudobeziehungen“, so Musalek. Aber schon junge Menschen brauchen die Möglichkeit, Vertrauen aufzubauen, soziale Erfahrungen zu sammeln und Zugehörigkeit unmittelbar zu erleben.
Musalek ermutigte außerdem dazu, den Blick wieder auf das Schöne zu werfen. Freude lasse sich in der Natur, in der Kultur, im gemeinsamen Austausch und bei gemeinsamen Aktivitäten mit anderen finden. Ein möglich selbstbestimmtes Leben und die Teilhabe am gesellschaftlichen Miteinander seien wichtige Voraussetzungen für das persönliche Wohlbefinden.
Einsamkeit belastet Körper und Seele
Musalek verwies auch auf die gesundheitlichen Folgen von Einsamkeit, die sowohl das psychische wie auch das körperliche Wohlgefühl beeinträchtigen können. Die Beeinträchtigungen reichen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Depressionen, erhöhter Sterblichkeitsrate bis zu Suizid. Umso wichtiger sei es, Isolation frühzeitig entgegenzuwirken.
Dabei liege die Verantwortung nicht allein bei den Betroffenen: Auch die Gesellschaft müsse Möglichkeiten schaffen, damit Menschen Anschluss finden und am gemeinschaftlichen Leben teilhaben können. Denn entscheidend sei nicht die Zahl der Kontakte, sondern Beziehungen, die Nähe, Vertrauen und Zugehörigkeit ermöglichen.
Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner hob im Gespräch mit Musalek die Bedeutung des Zuhörens hervor: „Gerade dieses Zuhören müssen wir wieder lernen, denn nur, wenn man zuhört, kann man Begegnung garantieren und den anderen wieder verstehen.“ Kulturelle Bildungsarbeit, etwa in den Musikschulen, leiste dazu einen wichtigen Beitrag. Gemeinsames Singen und Musizieren stärke Teamgeist, Kameradschaft und soziale Kompetenzen. Auch Optimismus, Eigeninitiative und die Bereitschaft, Herausforderungen anzupacken, seien wesentlich für Zufriedenheit und ein gelingendes Miteinander.
Regionale Projekte gegen die Einsamkeit
Wie vielfältig die Wege aus der Einsamkeit sein können, bewiesen Initiativen aus mehreren Gemeinden.
In Mank lädt Bürgermeister Martin Leonhardsberger mit persönlichen Einladungen zum Neuanmelder-Treffen ein. Neue Bürgerinnen und Bürger werden mit Gemeindevertretern, Pfarre und Vereinen zusammengeführt.
Gleich zwei Initiativen aus Mauerbach zeigen, wie vielfältig Wege aus der Einsamkeit sein können: Jugendgemeinderätin Helene Röhrbacher stellte den Jugendtreff vor, der von jungen Menschen für junge Menschen einen Ort der Begegnung bietet. Beim Projekt „HerzensZEIT“ von Gemeinderätin Sabine Janu engagieren sich 28 Freiwillige als Zeitbuddys. Sie unterstützen Menschen, die wenige soziale Kontakte haben, begleiten sie beim Einkaufen oder zu Arztterminen und schenken ihnen vor allem eines: Zeit und ein offenes Ohr.
Ungezwungene Gespräche ermöglicht auch das Plauderbankerl in Groß-Schweinbarth, eine Initiative von Gemeinderätin Gertrude Bürbaum. Jeden Dienstag von 9.00 bis 10.30 Uhr lädt der Treffpunkt mitten am Hauptplatz dazu ein, miteinander ins Gespräch zu kommen. Das Angebot richtet sich vor allem an ältere Menschen; künftig sind auch Kooperationen mit Kindergarten und Volksschule geplant, um den Austausch zwischen den Generationen zu fördern.
Kreativität, Bewegung und Gedächtnistraining verbindet das Active Café in Klosterneuburg. Renate Brandtner lädt jeden Dienstag und Donnerstag dazu ein, gemeinsam aktiv zu sein und Kontakte zu knüpfen.
Dass gemeinsames Singen verbindet und Freude schenkt, zeigte das Projekt „Mit Freude Singen“ aus Bad Vöslau. Ulli Schreilechner, Sandra Dörr, Monika Göschl sowie Ulrike, Thomas und Sissy Linsbichler animierten das Publikum kurzerhand zum Mitsingen.
Mit persönlichen Botschaften setzen auch die „Briefe gegen die Einsamkeit“ der youngCaritas ein Zeichen der Verbundenheit: Einzelpersonen, Jugendgruppen und Schulklassen schreiben Briefe an Menschen, die sich einsam fühlen.
Eine besondere Aktion organisiert die Tullner Motorradgruppe rund um Rudolf Schwarz. Unter dem Titel „14 Packerl gegen die Einsamkeit“ bringen die Mitglieder Weihnachtspakete zu Häftlingen der Justizanstalt Sonnberg, die im Laufe des Jahres weder Besuch noch Post erhalten haben.
Begegnungen auf Rädern ermöglicht das Projekt „Radeln ohne Alter“ in Ebreichsdorf. Eva Füssl-Föger und Simon Mitchell stellten die Initiative des Vereins Feld und Raum vor, bei der Ehrenamtliche älteren Menschen kostenlose Ausflüge mit der Rikscha ermöglichen. Dabei entstehen nicht nur besondere Ausflugserlebnisse, sondern auch wertvolle Gespräche und generationenübergreifende Kontakte. Der älteste Teilnehmer war bereits 97 Jahre alt.
