Kamingespräch: Gegen die Einsamkeit

Im Mittelpunkt der Diskussion stand das zunehmende Phänomen der Einsamkeit in der Gesellschaft. Rund ein Viertel der Menschen in Österreich gibt in Statistiken an, sich einsam zu fühlen. Betroffen sind auch junge Menschen, die trotz besonders guter digitaler Vernetzung, laut aktueller Studien um 50 % häufiger von Einsamkeit betroffen sind als andere Altersgruppen.

Erwin Pröll sah darin einen Zusammenhang zur gesteigerten Nutzung sozialer Medien: „Keine Technik kann den menschlichen Kontakt ersetzen. Wenn die persönliche Kommunikation permanent durch die Technik unterbrochen wird, dann kann das die Einsamkeit verstärken.“  Die heiß diskutierte Altersbeschränkung für unter 14jährige bei der Nutzung von Social Medis sah Pröll grundsätzlich positiv, während Psychologe Arnold Mettnitzer zu bedenken gab, dass alles, was man Jugendlichen verbiete, diese nur noch neugieriger darauf machen würde. Für Pädagogin Heide Kerschbaumer herrschte für lenkende Maßnahmen, auch im Bildungsbereich, trotzdem Handlungsbedarf: „Unser Schulsystem ist stark leistungsorientiert und dadurch verlieren junge Menschen die Räume für das Miteinander.“

Auch die gesundheitlichen Folgen von Einsamkeit waren Thema des Abends. Ob Herz-Kreislauf-Probleme oder Depressionen: Einsamkeit ist laut einer aktuellen WHO-Studie so gesundheitsschädigend wie 15 Zigaretten am Tag. Für Psychologe Mettnitzer war klar: „Eine Urkränkung des Menschen ist es, alleingelassen zu werden und was kränkt, macht krank.“Erwin Pröll gab, ob der alarmierenden Zahlen zu bedenken, wie wichtig es sei, nicht nur kopfbewegt, sondern herzbewegt miteinander umzugehen. „Wer den anderen verstehen kann, wird ihm etwas Gutes tun und wer dem anderen etwas Gutes tut, ist selber glücklich“, so Pröll. Dieses aufeinander zugehen sah auch Heide Kerschbaumer als Schlüssel: „Das Wichtigste ist in Lebenskrisen immer, alle Farben des Lebens zu sehen und auch anzunehmen, dass man nicht alles alleine bewältigen muss.“Eben dazu brauche es Mut, meinte Arnold Mettnitzer und sprach diesen auch den Gästen zu. „Wir dürfen keine Angst vor Zurückweisung haben“, meinte Mettnitzer.

Ein besonderer Fokus lag zudem auf der Situation älterer Menschen, die laut Statistik überdurchschnittlich von Vereinsamung betroffen sind. Pröll verwies in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung der Dorferneuerung, die er vor rund 40 Jahren initiiert hatte. Sie motiviert Menschen, ihre Lebensräume gemeinsam zu gestalten und weiterzuentwickeln. „Die Dorferneuerung ist kein kurzfristiges Projekt, sondern ein dauerhafter Weg, um den Herausforderungen unserer Gesellschaft immer wieder neu zu begegnen und den Zusammenhalt zu stärken“, so Pröll

Das bis auf den letzten Platz gefüllte Dorfhaus Gossam zeigte das große Interesse am Thema. Das Kamingespräch „Gegen die Vereinsamung“ wird am Mittwoch, 15. April um 21.00 Uhr auf ORF Radio Niederösterreich ausgestrahlt. Die Veranstaltungsreihe wird von der Kultur.Region.Niederösterreich in Kooperation mit dem ORF Niederösterreich durchgeführt.

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