„Verlässlich echte“ Buchpräsentationen

„Je digitaler die Welt, desto größer die Sehnsucht nach Nähe, Echtheit und Vertrauen“, konstatierte Erwin Pröll bei der Präsentation seines Buches „Verlässlich echt“ in Niederösterreich. Gemeinsam mit Autor, Musiker und Filmemacher Reinhold Bilgeri, Pianistin und Dirigentin Dorothy Khadem-Missagh sowie Anton Haubenberger vom Verein Demokratie lebenstellte der Herausgeber des im Kral-Verlag erschienenen Werkes die „Kraft des Unverfälschten“ in den Mittelpunkt. Während Dorothy Khadem-Missagh in Krems und Altenmarkt an der Triesting mit dabei war, ergänzte Anton Haubenberger Herausgeber Pröll und Autor Bilgeri in Petzenkirchen zum Trio.

Unverfälscht und echt waren auch die musikalischen Begleitungen: In Krems durch das Ensemble Quartett Alem der Musikschule Krems und der Musikschule Wachau mit den FlötistinnenLorna Schmidlechner, Anja Hintermayer und Emma Sonnleitner sowie Bassklarinettistin Mira Preyser. In Petzenkirchen durch das Trio Himmelblau der Musikschule Wieselburg mit Harfenistin Valerie Pernkopf und den beiden Flötistinnen Leonie Auer und Anna Prammer. Und in Altenmarkt durch das Bläserensemble der Musikschule Triestingtal mitEmilia Copnall (Horn), Karolina Kienast (Posaune), Lena Raith (Tenorhorn), PatrickScheindl (Tenorhorn), JohannesSchmid (Tuba).

„Sehnsucht nach verlässlichen Botschaften“

Erwin Pröll präsentierte das Buch als Anregung zum Nachdenken, zum Innehalten und zur Ausrichtung auf das Menschliche. „Wir sind inmitten einer digitalen Revolution, die eine unglaubliche Geschwindigkeit vorgibt, mit der viele nicht mehr mitkommen. Das bewirkt Verunsicherung, nicht zuletzt auch im Hinblick auf Nutzung der KI in Kriegen.“ Fake News und Informationsflut führen dazu, in der öffentlichen Diskussion immer pointierter zu werden und Inszenierungen einzusetzen, um die Informationen an die Menschen zu bringen. „Leider führt dies zu Oberflächlichkeit. Authentizität und Tiefgang leiden darunter. All das bewirkt eine Sehnsucht nach verlässlichen Botschaften.“

Die Künstliche Intelligenz solle man nicht verdammen, so Pröll. „Man kann sich dieser Entwicklung nicht entziehen, aber man sollte sie mit Hausverstand nutzen.“ Echtheit erfordere Mut.  Und einfache Tugenden wie Bitte und Danke zu sagen oder Gespräche nicht zu verweigern, seien wichtig. „Denn obwohl die Kommunikationsmöglichkeiten mehr geworden sind, sind wir sprachlos geworden“, forderte Erwin Pröll auf, aktiv zu werden. „Seien Sie Multiplikator für diese einfachen Tugenden, für das Gespräch, für das Miteinander.“

Verlässlichkeit und Echtheit im Augenmerk

Reinhold Bilgeri, Dorothy Khadem-Missagh und Anton Haubenberger sind unter den 16 Autorinnen und Autoren, die Erwin Pröll für das Buch „Verlässlich echt“ gewonnen hat. Bei den Präsentationen ließen sie mit ihren Plädoyers für den Wert und die Wichtigkeit der Verlässlichkeit und der Echtheit aufhorchen.

Reinhold Bilgeri betonte, das Buch sollte ein Haltegriff in Zeiten wie diesen sein. Denn wenn man sich nicht an Regeln halte, stürze man in Chaos und Barbarei. „Die KI ist erschreckend vielfältig, greift auf eine große Datenmenge zu und kann in kürzester Zeit Literarisches oder Musikalisches daraus hervorbringen. Eine gerade monströse Vorstellung.“ Er plädierte dafür, kreativ zu bleiben und bei wichtigen Themen selbst nachzudenken und nicht wegzuschauen. „Klimawandel und Wissenschaftsskepsis sind die großen Probleme unserer Zeit. Gerade die Wissenschaft hat uns das angenehme Leben, das wir heute führen, erst ermöglicht.“

Dorothy Khadem-Missagh erläuterte, dass es in der Musik es keine Möglichkeit zu lügen gibt. „Wir brauchen Kunst und Kultur. Zusammen musizieren ist wahrhaftig und das sollte man auch als Grundlage für ein funktionierendes Miteinander sehen.“ Musik könne hier als Vorbild dienen. Die KI wiederum sei der natürlichen Kreativität unterlegen, „da neben dem Wissenserwerb auch die Herzensbildung notwendig ist. Neben dem Wissen ist auch das Gewissen wichtig. Vertrauen muss man aufbauen und man muss auch vertrauenswürdig sein. So entstehen verlässliche Strukturen.“  Echtheit spüre man, so Khadem-Missagh. Wichtig sei es, „offen aufeinander zuzugehen und nie Zuversicht und Hoffnung zu verlieren“.

Anton Haubenberger, Aufsichtsratsvorsitzender des Petzenkirchner Traditionsunternehmens Haubis und Obmann des Vereins „Demokratie gestalten“, stellt nach seinem Studium der Neurowissenschaft die pointierte Frage: „Ist Demokratie etwas, was uns tief im Herzen bewegt, oder ist das einfach nur eine Erfindung der Griechen?“ Angesichts aktueller Turbulenzen um die Demokratie schlägt er eine Bewegung aufeinander zu vor, um diese Demokratie zu erhalten und zu stärken. „Wir sind von Natur aus kooperativ und können sogar von Kooperativer Intelligenz sprechen.“ Man könne in einem Unternehmen demokratisch agieren und sich Ideen anhören, man könne das aber auch im privaten Alltag tun, so Haubenberger. „Wir müssen lernen, dass ein anderer eine andere Meinung haben kann und diese Meinung auch aushalten. Wir alle sind in unserem Leben gleichermaßen Sender wie Empfänger.“

Durch die verlässlich echten Abende führte Kultur.Region.Niederösterreich-Geschäftsführer Martin Lammerhuber. Reinhold Bilgeri beschloss die Präsentationen mit seinen Hits „Desperado“ und „Video Life“.

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